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Religions­pädagogisches Ausbildungs­zertifikat

RAZ/ MISSIO/ VOCATIO

Das Religionspädagogische Ausbildungszertifikat (RAZ)/ die sog. MISSIO und VOCATIO sind Aus­bildungs­angebote, die Erzieher/innen nach erfolgreicher Teilnahme eine besondere Be­fähigung zur reli­gions­pädagogischen Erziehung, Bildung und Be­treuung von Kindern, Jugend­lichen und Er­wachsenen in sozial­pädagogischen Ein­richtungen sowie zur religionspädagogischen Beratung von Eltern/ Erziehungsberechtigten bescheinigen.

Das RAZ ist ein Zertifikat, das von der Fach­akademie ausgegeben werden kann. Die sog. kleine MISSIO wird durch die Diözese Augsburg an katholische Bewerber/innen ver­liehen. Für evangelische Bewerber/innen bietet das Evange­lische Dekanat Nördlingen die VOCATIO an.

Voraussetzungen

  • 70 Stunden religionspädagogisches Zusatz­angebot, davon 15 Stunden im BP
  • Mindestnote 3 im Fach Theologie/ Religions­pädagogik im Abschlusszeugnis der FakS 2
  • Schriftliche Ausarbeitung und Durchführung eines religionspädagogischen Angebots in der praxisgebenden Einrichtung im BP
  • Besuch einer einer eintägigen Einführungs­veranstaltung der Diözese Augsburg (nur MISSIO)
  • Kolloquium mit Reflexion über das religions­pädagogische Angebot im BP

Der Erwerb dieser Qualifikationen erhöht die Chance auf Anstellung bei kirchlichen Ein­richtungen.

Interreligiöses Holi-Fest

Von allem mehr

Von Brigitte Auer

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Was ein Mann empfindet, der vor der Tür seines Hauses warten muss, wenn er die Schuhe eines Höhergestellten davor stehen sieht, während der sich gerade seiner Frau bedient, kann man nur ahnen. Noch mehr aber sind es die Frauen und Kinder der Dalits, die in Indien unter einer besonders entwürdigenden Form der Apartheid leiden. „Zertretene“ Menschen – so die wörtliche Übersetzung – nennen sich die Dalits selber, die für andere nur Unberührbare, Unreine oder Kastenlose heißen.

Das passt so gar nicht ins Bild vom bunten, vor Sinneseindrücken überbordenden spirituellen Sehnsuchtsland vieler Menschen im Westen. Und auch im Kreis der Studierenden der Religions­pädagogischen Übungen FakS 2 ist die Faszination für die indische Kultur spürbar. Gleich zweimal haben sie dieses Jahr Indien als Thema religions­pädagogischer Aktivitäten gewählt: einmal das indische Lichterfest Diwali, dann – als fröhlicher Abschluss des Kurses – das bunte Farbenfest Holi.

Und doch gehen diese beiden Gesichter Indiens irgendwie zusammen: In Indien habe es von allem mehr, so bringt Timo Meister seine Erfahrung mit

Farbenwerfen beim Holi-Fest

dem Land auf den Punkt. Er war zu den Festvorbereitungen hinzugestoßen und hat unser Zusammensein zwischen Henna-Malerei, Sari-Binden und Bollywood-Musik um etwas indische Realität bereichert. Einige Monate an einem nordindischen Mädcheninternat haben ihn gelehrt, dass Holi auch heißen kann, dass man die Mädchen an diesem Tag angesichts des erhöhten Alkoholkonsums der Männer zu deren Sicherheit nicht aus dem Haus lässt.

Von allem mehr. Natürlich ist Holi zu allererst ein fröhliches, buntes, ausgelassenes Frühlingsfest. Nicht umsonst wurde es auch hierzulande, aller

religiösen oder ethischen Bedeutung entledigt, zum Spaß-Event umgeformt – eine Woche nach uns stieg die Party in Nördlingen.

Schade. Dieses Fest könnte die Gesellschaft ver­ändern. An Holi sind alle gleich. Die Kasten­unter­schiede sind aufgehoben, der soziale Umgang ist – für einen kurzen Moment – nicht von Tabus bestimmt. Doch dieser Auf-Bruch der gesell­schaftlichen Ordnung ist weniger einer tragfähigen ethischen Idee geschuldet, sondern Ausdruck eines kurzen anarchischen Augenblicks im Angesicht ausgelassener Raserei. Anders wirkt die befreiende und gleichzeitig bindende Botschaft des Christentums: Dort, wo Aussätzige nicht gemieden, sondern geheilt werden, finden auch die Dalits menschliche Anerkennung.

Beim gemeinsamen Essen von einem indischen Buffet tauchten wir dann wieder ein in die Vielfalt der Aromen und Genüsse indischer Lebensart. Der reich gedeckte Tisch dokumentierte zum Ab­schluss des Kurses noch einmal augenfällig das Engagement der Teilnehmer. Deshalb haben wir es uns verdient, die Farben fliegen zu lassen. Natürlich haben wir das Spektakel angemeldet. Bei zu viel Spontanität und Anarchie hätte vielleicht doch ein Kulturschock gedroht. Aber nach zwei Kilo Farbe und ein bisschen wildem Geschrei fühlten wir uns schon ein wenig indisch.

Auf jeden Fall aber richtig gut.